Ma³gorzata Jackiewicz-Garniec, Miros³aw Garniec

  Schlösser und Gutshäuser im ehemaligen Ostpreußen

  Gerettetes oder verlorenes Kulturgut?

 

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Wir legen die Übersetzung der im gesamtpolnischen Tageblatt "Gazeta Wyborcza" (Sonntagsausgabe, 15/16. April 2000), erschienen Rezension unseres Buches von Jaroslaw Kurski bei.

Es ist ein hervorragend illustrierter Katalog von Herrensitzen des ehemaligen preußischen Adels. Eine Pionierarbeit, sorgfältig herausgegeben, 436 Aufnahmen mit ausführlichen Beschreibungen, Anlageplänen, Archivfotos und einer kleiner Landkarte. Es ist das Ergebnis von Passion und Liebe zu diesem Land wie auch ein gewisser Sühneakt gegenüber dem materiellen Erbe dieser Region. Das Buch enhält die Einführung von Marion Dönhoff - einer preußischen Aristokratin, aktivem Mitglied der Widerstandsbewegung gegen Hitler, Chefredakteurin und Herausgeberin (des Wochenblatts) "Die Zeit", Fürsprecherin der deutsch-polnischen Versöhnung.
Das Album veranschaulicht zwei Aspekte des "gegenwärtigen Ostpreußens". Erster zeigt das noch erhalten gebliebene Kulturerbe, bewahrt in Türmchen, Mansarden, Risaliten, Erkern, Veranden, in den Wappenkartuschen der ostpreußischen Guts- und Herrenhäuser wie auch in den Ziegelbauten der Wirtschaftsbereiche, in Mühlen, Parkanlagen, und jahrhundertealten Eichenspalieren. Zweiter, ist das Übermaß der Zerstörungen des Unersetzbaren, nie Wiederkehrenden - Zeugnis einer eines halben Jahrhundert lang andauernden Barbarei und Verachtung für das Depositum, das wir mit diesem Land 1945 übernommen haben.

 

Wir legen die Übersetzung der in der Wochenschrift "Polityka" (Nr. 18, vom 29. April 2000), erschienen Rezension unseres Buches von Piotr Sarzynski bei.

Zwischen Glanz und Ruine

Nach jeglichen Führern greife ich nur vor oder während einer Reise. Dieses Buch habe ich jedoch mit großem Vergnügen, ohne jeglichen touristischen Scheingrund gelesen. Diese Publikation, die Frucht einer langjährigen mühsamen Forschungsarbeit, enthält Informationen (und fantastische Fotografien) über alle erhalten gebliebenen Landschlösser und Herrenhäuser im ehemaligen Ostpreußen, im Bereich der polnischen Staatsgrenzen; oft schon vergessen, unbekannt und fern von Touristenrouten. Der scheinbar leidenschaftslose Bericht bringt das faszinierende Schicksal der hiesigen Kultur und Tradition ans Tageslicht. Es ist eigentlich eine Geschichte über drei Epochen. In der Ersten (bis 1945) sind die stattlichen Herrensitze von den hier ansässigen adligen Familien erbaut und gepflegt worden. In der Zweiten, nach 1945, sind diese Besitze von den staatlichen Gütern übernommen worden, was nach und nach, doch systematisch, zum Verfall dieser Residenzen geführt hat. Und schließlich die Zeit nach 1989, wo wir Zeugen einerseits des endgültigen Verfalls einiger Objekte sind und andererseits des wiederhergestellten Glanzes der Objekte, die von wohlhabenden und ehrgeizigen Privateigentümern übernommen wurden. Von den imponierenden Schlössern in Markowo (Reichertswalde), Lipowina (Lindenau), Arklity (Arklitten), Gladysze (Schlodien), Gisiel (Geisseln) sind nur noch Ruinen übrig geblieben. Herrlich jedoch sind die Landschlösser in Sorkwity (Sorquitten), Lezany (Lossainen), Osieka (Hermenhagen) wieder hergestellt worden.
Nach der Lektüre dieses Buches schaut man mit anderen Blicken auf dieses Stückchen Polens, von Paslek bis Go³dap (Preuß. Holland-Goldap) und von Nidzica bis Braniewo (Neidenburg-Braunsberg).

 

Hubert Or³owski, in: Przegl±d Zachodni, 2/2001

Die Publikation der Eheleute Malgorzata Jackiewicz-Garniec und Miroslaw Garniec hat - was ich ihnen von ganzem Herzen wünsche - in den Spalten von Fachzeitschriften bestimmt viele Besprechungen von Fachleuten: Kunsthistorikern, Kennern von Parkanlagen, Fotografen, erhalten. Mein Blick auf dieses Werk dagegen ist bedingt durch subjektive, emotionale Erwägungen. Das von zwei Passionierten aus Olsztyn rekonstruierte Kulturlandschaftsbild des "ehemaligen Ostpreußens" steht nämlich in unmittelbarerm Nachbarschaftskontext mit meiner "kleinen Heimat", das heißt mit dem südlichen Ermland. Es stimmt: der Süden Ermlands besaß keinen Reichtum an Schlössern und Herrenhäusern, denn woher auch? Die bäuerliche Struktur des Agrareigentums in meiner "privaten Heimat" diente auf keinerlei Weise der Entstehung von herrensitzähnlichen Bauten. Die meinem Heimatdorf nächst gelegene Schlossanlage der Familie Stein-Kamienski in Grasnitz (Grazymy - heutige Gemeinde Gietrzwald / Dietrichswalde), auch dargestellt im Band "Schlösser und Gutshäuser im ehemalgen Ostpreußen", liegt doch schon hinter der Passarge (Pasleka), also hinter dem Grenzfluss zum historischen Ermland. Trotz plebejischen Habit empfinde ich jedoch eine eigenartige Hochachtung vor diesen ostpreußischen im weitesten Sinne ziemlich bescheidenen Herrenhausbauten. Warum bescheiden? Sollte ich allzu streng die architektonischen Werte und ästhetischen Lösungen der Ostpreußischen Schlösser im Grenzbereich von Preußen bewerten? Wohl nicht; im 1999 herausgegebenen repräsentativen Band "Preußen, Kunst und Architektur", ist es mir nicht gelungen, unter den in Betracht genommenen, auch nur ein Architekturdenkmal zu finden. Es gibt kein Dönhoffstädt (Drogosze), kein Sorquitten (Sorkwity), kein Schlodien (Gladysze)...
Das Buch von M. Jackiewicz-Garniec - der Verantwortlichen für die "Biogramme" der einzelnen Denkmäler - und von M. Garniec - dem Autoren der Fotoaufnahmen, hat zweifellos mein Sentiment zu der bescheidenen Architektur aufgewertet. Nicht so sehr durch ein breit entfächertes enzyklopädisches Wissen, als durch seinen Autorencharakter. Mit seiner fotografischen Darstellung (vor allem) und der Narration (keineswegs trockenen) weicht es nämlichvon vielen konzeptähnlichen Ausgaben ab. Die Fotos sowie auch die Detailbeschreibungen von einzelnen Schlössern, Parkanlagen oder Herrenhausgeschichten, verraten die Passioniertheit zur Individualisierung, lassen die Suche nach dem Eigentümlichen erkennen. Um auf diese Weise die Besonderheiten hervorzuheben, musste das Autorenpaar - aber eigentlich wollten sie es - hunderte, wenn nicht sogar tausende von Kilometern der Schloss-, Herrenhaus- und Parkanlagenroute durchqueren; zu verschiedenen Jahreszeiten, bei Sonnenschein, Regen, Schneegestöber. Bei Sonnenaufgang und in der Dämmerung. In unterschiedlicher Stimmung.
Das Werk besteht, abgesehen vom meritorischen Einführungstext von M. Jackiewicz-Garniec, den Erinnerungen von Marion Gräfin Dönhoff und Adelheid Gräfin Eulenburg, sowie dem Essay von Kamila Wroblewska, aus zwei Teilen: (1) dem Album, das die Beschreibungen von 71 Objekten enthält mit bezaubernden Farb- und Archivfotos, Grundrissen und Anlageplänen, sowie (2) dem Katalog, der die Beschreibungen von 305 Schlössern und Herrenhäusern beinhaltet. Ich gebe zu, dass mich vor allem der erste, reich mit Fotos illustrierte Teil fasziniert hat.In die Fotos so verschiedener Herkunft habe ich mich direkt "hineingelesen". Ich könnte mir sogar eine typologische Rekonstruierung fast aller Aufnahmen zumuten. Neben gnadenlos ehrlichen Darstellungen von Zerstörung und materiellem Verfall - hierbei denke ich an die Aufnahmen von Tüngen (Bogatynskie), Borken (Borki ), Terpen (Tarpno ), finde ich Fotos stimmungsvoller Konvention.

Also die Ruine als voll- oder auch gleichwertiges Kunstwerk. Hierzu gehören beispielsweise die Aufnahmen von Lindenau (Lipowina) oder (wie bedrückend) von Schlobitten (Slobity).
In der deutschen Fachsprache ist zu diesem Thema sogar der Terminus technicus Ruinenästhetik entstanden.Weiter: eine ganze Reihe von Aufnahmen, die dem Leser die Möglichkeit bieten, die Werte eines Objekts in Symbiose mit der Natur zu entdecken. Das Kunstwerk und die Natur bilden, manchmal auch bildeten, einen spezifischen Biotop.
Es fällt nicht schwer, dem Band "Schlösser und Gutshäuser im ehemaligen Ostpreußen" einen Verlagserfolg vorauszusagen. Es werden sowohl Kenner dieser einzigartigen Kulturlandschaft danach reichen, als auch Anfänger in diesem Bereich .

Hubert Or³owski

Übersetzung: Teresa Demuth-Kaiser

 

Schlösser und Gutshäuser im ehemaligen Ostpreußen
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